Donnerstag, 17. Mai 2018

Der (nicht) perfekte Platz



Vor ca. einem Jahr habe ich den ersten Ausflug mit meinen neu gekauften Gogo-Mobil gemacht. Irgendwie hab ich mir damals überhaupt keine Gedanken gemacht wo man da so übernachtet. ich hatte die Vorstellung das man überall dort stehen bleibt wo es einem gefällt. Ist ja schließlich der Vorteil von so einem kleinen Bus.  So fuhr ich recht spät  los in Richtung Kärnten und als ich müde wurde, beschloss ich mir einen schönen Platz zu suchen. Ich bog von der Autobahn ab und begann zu suchen. Hhmmm und es war nicht so einfach wie gedacht…
Das ist er, der nicht perfekte Platz 

Kleiner Auszug aus meinem Kriterienkatalog:

Nicht direkt neben der Straße, mit schönem Ausblick
gleich neben einem See, Bach oder Fluss, nicht direkt neben den Häusern,
aber auch nicht zu abgelegen, kann ich da gleich in der Früh laufen gehen?
Und und und..


Da kann es schon vorkommen, das Frau auf der Suche nach dem perfekten Platz stundenlang in der Gegend herumkurvt und frustriert wird.

Im Laufe der Zeit hab ich zwar schon einen sehr guten Riecher für schöne Plätze entwickelt, aber immer klappt das nicht. Das Problem dabei ist, wie bei jeder Fixierung, dass man rundherum nichts mehr wahrnimmt. Mein Blick ist auf alle Wege gerichtet die eventuell zu so einen Platz führen könnten, dabei hab ich z.B. gestern, tatsächlich die Burg Clam übersehen, weil ich nur den Parkplatz davor auf seine Tauglichkeit überprüft habe und nicht nach oben blickte, wo das prächtige Bauwerk wunderschön beleuchtet und eindrucksvoll in der Landschaft stand. Erst als ich feststellte, dass der Parkplatz auch nicht meinen Wünschen entspricht, erkannte ich im Rückspiegel die Burg.

Da beschloss ich auf einem Platz zu bleiben der nur zu 50% meinen Kriterienkaterlog entspricht.
Um 6.00 Uhr bin ich aufgewacht und wollte schnell von dem Platz weg um zu einem schöneren Ort zu fahren. Ich saß bereits, noch ohne Kaffee und Zähneputzen in der Fahrerkabine, gab die Ysperklamm ins Navi ein und dachte plötzlich: „Nein, so soll der Tag nicht beginnen“. Stieg aus, putze mir die Zähne, machte mir einen Kaffee und begann mit meinem Morgenritual, einer Meditation und anschließend meine Morgenfragen: "Ich bin neugierig was ich heute alles erleben werde, ich freu mich auf die Menschen die mir begegnen werden, ich freu mich auf die Geschenke und Überraschungen die heute auf mich warten, ich bin neugierig wem ich heute eine Freude machen kann."

Und siehe da, meine Wahrnehmung hat sich fast sofort verändert. Ich wurde ruhiger, musste über mich selbst lachen, weil die Metapher eigentlich völlig klar war. Der perfekte Platz ist immer nur in mir. Mein Wohlbefinden hängt nicht, oder nur zu einem geringen Teil von Außen ab.. Ein Ort kann noch so schön sein, wenn ich traurig, frustriert, ärgerlich, verängstigt oder sonstiges bin, nützt das überhaupt nichts oder ich nehme den Ort gar nicht als schön war und sehe nur den Schatten.

Und wie  oft machen wir das. Wir suchen das perfekte Haus, den perfekten Job, die perfekten Freunde, den perfekten Partner, die perfekte Umgebung ….in der Hoffnung das wir am Ende der Suche das perfekte Leben haben.  Und während der Suche nehmen wir unser restliches Leben gar nicht mehr wahr, das was schön und gut ist. Und vielleicht verpassen wir sogar ganz andere Hinweise die uns Weiterbringen  könnten.

Und eigentlich wäre und ist es so einfach: Stehen bleiben, Druck rausnehmen, bewußt ein- und ausatmen, lächeln und genießen wie sich die Spannung im Köper und im Kopf auflöst und wieder Raum für Neues da ist. Ich übe, übe und übe…

so und jetzt fahre ich weiter Richtung Ysper Klamm

Dienstag, 8. Mai 2018

Das Ego rausnehmen

Kennt ihr das? Manchmal hört oder liest man einen Satz und man denkt sich „Das wurde jetzt gerade für mich gesagt.“ Das ist so ein Gefühl als würde eine Seite im Herz angestoßen und die Worte dringen ganz tief ein und gehen auch nicht mehr aus dem Kopf. Mir ist das mit einem sehr spannenden Thema in den letzten Wochen gleich zweimal passiert und heute hab ich mal, aus aktuellem Anlass, so richtig darüber nachgedacht.

Ich habe in den letzen Jahren einen tieferen Zugang zu mir selbst gefunden als ich das jemals zuvor hatte. War ich vorher schon ehrlich zu mir selbst, so ist es jetzt manchmal geradezu erschreckend wenn man ganz tief in sich reinschaut und die Abgründe entdeckt die sich da zeitweise auftun. Aber andererseits ist das wieder gar nicht so schlimm, weil diese sogenannten Abgründe meist nur eine Bewertung von außen sind.

"Das tut man nicht, das darf man nicht, so sollst du nicht sein, bla bla bla." Und sofort meldet sich das schlechte Gewissen und wir drücken rasch den Deckel auf diese vermeintlich bösen Seiten in uns damit wir sie nicht mehr anschauen müssen.

Ich versuche mich mehr und mehr auf darauf einzulassen, genau hinzuschauen, wahrzunehmen was das mit mir macht, warum das so ist und wie ich es ändern kann wenn ich das wirklich will. Das Thema „Ego“ gehört dazu und nachdem das Thema 2 mal von Menschen die sich nicht kennen auf mich zukam, die ich aber sehr sehr mag und schätze, wird es Zeit mal da reinzuschauen.

Wenn mich etwas unglücklich und frustriert macht, wenn ich mich gekränkt, zurückgewiesen und vom Leben vernachlässigt fühle, steht, bei genauer Betrachtung, immer mein verletztes Ego dahinter.
Wenn zu einem Workshop nicht genügend Teilnehmer kommen, wenn meine angeschriebenen Interviewpartner sich nicht bei mir melden, wenn ich nicht wahrgenommen werde, wenn in einer Gruppe von neuen Menschen niemand mit mir spricht, wenn ich auf mein stundenlanges Kochen für das Abendessen keinen Kniefall von meinem Mann bekomme, wenn mein Pferd Liberty mich beinahe umstößt wenn ich ihn auf die Sommerweide lasse anstatt demütig dankbar zu sein da ich ihm das überhaupt anbiete,…. die Beispiele sind zahlreich, die Reaktion ist immer ähnlich.

Mein Ego hat eine Erwartungshaltung, wenn die nicht erfüllt wird, geht’s es mir schlecht. Eigentlich ganz einfach, oder?

Für mich gibt es viel Vorteile, wenn ich mir den vermeintlichen Abgrund mal genau anschaue, das „Böse“ in mir nicht verdränge sondern ganz bewusst wahrnehme und hinterfrage. Erstens ist es ja gar nicht so schlimm wie ich gedacht habe. Die große schwarze Wolke schrumpft, wenn ich ihr Aufmerksamkeit schenke,  sehr schnell zusammen auf eine Größe mit der ich gut umgehen kann.  Und der größte Vorteil ist, das ich das Muster erkenne und wenn auch nicht ganz auflösen doch viel schneller wieder aussteigen kann.

Brandaktuelles Beispiel von gestern Abend: Ein Interviewpartner für meine MUnTerMACHERIN-Gespräche sagte ab. Ich fühl mich zurückgewiesen und ärgere mich. Eh klar, mein Ego hat sich wieder in den Vordergrund gedrängt. Und wenn ich das erkenne kann ich viel leichter wieder aussteigen aus dem Drama.

Und als kleines Sahnehäubchen… in dem Moment als ich aus dem Drama rauskam, bekam ich eine SMS mit einem neuen Terminvorschlag der für mich ohnehin viel besser als der alte  Termin war. Was auch der Grund ist das ich nun in Ruhe diesen Text schreiben kann und keinen Zeitdruck habe…juhuu

Sonntag, 15. April 2018

Hurra, jetzt ist er da, mein Bus…. Und ich glaub das Warten hat sich gelohnt

Eine buddhistische Geschichte, die ich sehr mag und BesucherInnen oft erzähle ist folgende:

Wenn man nicht weiß wie es weitergeht, planlos ist oder komplett ansteht, setzt man sich am besten in Ruhe an den Straßenrand und wartet auf den Bus. Der kommt ganz bestimmt vorbei. Dann kann man einsteigen. Und manchmal kommt man drauf, das der Bus in die falsche Richtung fährt. Das ist auch kein Problem, dann steigt man einfach aus und wartet weiter und nimmt den nächsten Bus.  



Tja und ich habe dieses Warten, einsteigen, aussteigen im letzten Monat mehrmals praktiziert und ich möchte Euch gerne die Geschichte dazu erzählen.


Meine Workshops, rund um das Thema „Aussteigen & Ankommen“ waren meist gut besucht, mal ein paar Teilnehmer mehr, mal weniger aber es hat immer gut gepasst, ich hatte das Gefühl das immer genau die richtige Anzahl Besucher war und auch genau die richtigen Leute zusammengekommen sind. Auch mit Stronos hatte ich, interessanterweise seit ich den freien WERTschätungsbeitrag eingeführt habe, kein Thema mehr. Alle die sich anmelden kamen auch pünktlich.
Im Februar hat sich etwas geändert. Beim ersten Termin machte ich mir noch keine Gedanken über eine kurzfristige Absage, es fand sich schnell eine andere interessierte Person. Als es zum zweiten Mal passierte wurde ich etwas stutzig, aber auch da meldet sich ganz spontan noch eine liebe Teilnehmerin, also auch kein Grund mir Gedanken zu machen. Und so ähnlich ging es weiter mit den nächsten Terminen.
Ganz dick kam es dann bei meinem Workshop „Aussteigen & Ankommen“ im März. Von 7 fix gebuchten Teilnehmern, sagten 6 in der Woche davor ab oder verschoben auf das nächste Mal. Das kann doch kein Zufall sein, dachte ich mir. Was will mir der Hinweis sagen, was soll ich ändern…
Meine  erste Reaktion war trotzig: Na gut, dann mach ich halt gar keine Workshops mehr. Einführung von Vorauszahlung und Stornogebühr stand nie wirklich zur Debatte. Erstens mag ich Zwänge egal in welche Richtung gar nicht und Zweitens ist es ohnehin schwer einzuführen bei einem freien WERTschätzungsbeitrag ;o)
Also setzte ich mich hin uns wartete auf dem Bus. Die erste Idee einzusteigen kam in Form von komplett offenen Workshops. Keine Anmeldung, kein fixer Preis. Fühlte sich interessant, aber noch nicht ganz richtig an. Also stieg ich wieder aus.
Kurz versuchte ich zu manipulieren mit einem von mir gemachten, beschleunigten Fahrplan. Ich hätte gerne eine Lösung gehabt vor den Osterferien, dann bis zum Ende der Osterferien, usw und meine vermeintlich letzte Deadline war dann der 16. April, da bin ich bei Mahlzeit Burgenland Interview Gast. Bis dahin sollte das neue Konzept stehen. 
Hat natürlich nicht funktioniert. Es kamen einige Busse, wie Namensänderung, neues Workshopkonzept aber nichts hat so richtig gepasst. Mit einer der Ideen war ich sogar schon so weit und habe ein Video dazu gedreht für die Homepage. Aber als ich zu einer bestimmten Stelle im Video kam, merkte ich das es mir regelmäßig den Hals zuzog. Weil ich mich mittlerweile traue, mich auf meine körperlichen Reaktionen100%ig zu verlassen, hab ich beschlossen wieder auszusteigen und noch weiter zuwarten.
Heute, einen Tag vor der Deadline, war ich dann wie fast jeden Tag laufen. Eine ganz neue Strecke durch den Wald. Ich setze mich an einer besonders schönen Stelle auf eine Lichtung, mümmelte ein bisschen Sauerklee der neben mir wuchs, beobachtet die Ameisen hörte die Vögel, fühlte mich rundherum wohl und beschloss das es egal ist wenn sich bis zum Interviewtermin noch keine Lösung gefunden hat. Dann ist es eben so, dachte ich.  
Dann stand ich auf und trat den Rückweg an. Und was glaubt ihr was passierte? Ganz genau, der Bus kam, ich stieg ein und er fährt in die richtige Richtung. Alles ist erfüllt was ich mir gewünscht habe. Flexibilität und Zwanglosigkeit für mich, aber auch für meine BesucherInnen.

Ich bin schon sehr neugierig wie es wird. Fühlt sich aber total gut an und ich freu mich riesig. Über die neuen Möglichkeiten und auf die Offenen Sonnenweide Nachmittage.

Da ich ja recht flott in der Umsetzung bin, ist bereits alles auf meiner Homepage. Schaut mal rein und villeicht sehen wir uns bald!

Mittwoch, 11. April 2018

MUnTerMACHERIN-Gespräche: Gegen den Strom schwimmen um das Wasser klarer zu machen


Lukas und Anna waren mit ihren Kindern, Simon, Noah, Benjamin, vor ca. 3 Jahren einmal bei uns auf Hof-Sonnenweide, bei einem Sommerfest zu besuch. Es waren damals so viele Menschen am Hof das ich sie gar nicht persönlich kennengerlernt habe. Allerdings schickte mir Lukas einige Tage später ein Video das er von Fest bzw. dem Hof uns seinen Kindern gemacht hatte. Daraufhin sah ich mir ihre FB und Instagram Seite an und speicherte sie als "Freilerner Familie" irgendwo ganz hinten in meinem Kopf ab.

Als ich mich dann auf die Suche nach Menschen für meinen Podcast machte, fielen mir die beiden wieder ein. Wie ihr sicher schon gemerkt habt, interessiere ich mich sehr für alternative Bildungsmöglichkeiten. Ich schrieb ihnen eine mail und wir fanden einen Termin in der Osterwoche in der ich zu ihnen nach Wien fuhr, wo sie derzeit im Kleingartenhaus der (Schwieger)eltern wohnen.

Im Gespräch ging es dann aber gar nicht so sehr um das "Freilernen" sondern ganz viel um ihren Lebensentwurf, die Weltreise zu der sie mit ihren Kindern 2017 aufgebrochen sind und die am Beginn gar nicht so war wie sie es sich vorgestellt hatten. Wenn sie davon erzählen klingt es wie der Bericht und die Erkenntnisse eines ganzen Lebens. 


Ein sehr vielschichtiges Gespräch das in vielerlei Hinsicht inspiriert und Mut macht den eigenen Weg zu gehen.

Du kannst Dir das Gespräch über meine Homepage auf iTunes, Soundcloud oder Youtube anhören


Alle MUNTErMAcherin-Gespräche findet ihr auf meiner Homepage unter www.elisabethnussbaumer.at

Montag, 9. April 2018

Wann muss du eigentlich aufstehen?

Das ist die häufigste Frage die mir gestellt wird seit wir auf Hof-Sonnenweide mit so vielen Tieren leben.
Die Antwort hat sich im Laufe der Jahre verändert. Eine Bäuerin muss früh aufstehen, das weiß doch jeder. Die Tiere müssen gefüttert werden denn sie haben die ganze Nacht nichts gefressen und haben Hunger. Deshalb hab ich mir am Beginn, als wir auf Hof-Sonnenweide gezogen sind und immer mehr und mehr Tiere zu uns kamen, den Wecker zwischen 5.00 und 5.30 Uhr gestellt und bin so, wie es sich gehört, aufgestanden. Schnell die Hunde im Haus füttern, Zähneputzen und dann raus zu den Tieren, egal ob es noch finster war oder nicht. Und in den ersten Jahren ist mir das auch überhaupt nicht schwer gefallen. 



Wenn ich damals gefragt wurde wann ich aufstehe habe ich wahrheitsgetreu geantwortet und war auch irgendwie stolz darauf. Und auf der anderen Seite habe ich mir selbst und anderen auch bestätigt was jeder ohnehin vermutet hat. Eine Bäuerin muss früh aufstehen. Das war immer so und ist einfach so.

Vor einiger Zeit habe ich dann begonnen diesen allgemein gültigen Glaubenssatz zu hinterfragen. Es fiel mir immer schwerer aufzustehen, ich war mies gelaunt in der Früh und hatte immer das Gefühl trotz dem frühen Aufstehen nicht mit meiner Zeit zurecht zu kommen und immer einen Schritt hinter meinen Pflichten nachzuhinken.

Eine Möglichkeiten wäre gewesen noch früher aufzustehen und noch schneller zu arbeiten. Keine sehr verlockende Variante, also hab ich anders rum überlegt. Die Frage die ich mir stellte war: „Was tut mir gut, und wie würde ich es machen wenn es ganz nach meinem Bedürfnissen gehen könnte.“
  1. Aufstehen mit dem beginnenden Tageslicht
  2. Zeit für meine Guten-Morgen-Rituale (siehe Video)
  3. Laufen gehen
  4. Duschen, Kaffee trinken
  5. und dann in aller Ruhe die Tiere versorgen
Und wisst ihr was, es hat funktioniert, ganz einfach sogar. Kein Tier ist daran gestorben oder hat meines Wissens irgendeinen Mangel gelitten. Ich adaptiere immer wieder, je nach Jahreszeit und meinen Bedürfnissen, die sich auch immer wieder ändern aber im Großen und Ganzen nehme ich mir in der Früh soviel Zeit für mich wie ich brauche.

Praktisch sieht das z.B. auch so aus, das ich meine Coaching Termine nicht vor 10.00 Uhr und im Winter auch erst um 11.00 Uhr vereinbare. Dann hab ich vorher genügend Zeit für mich und die Tiere, was auch meinen Besuchern zu guten kommt weil ich entspannt und mit voller Aufmerksamkeit bei ihnen sein kann. Niemand hat sich jemals darüber beschwert. Auch wenn ich Termine außerhalb des Hofes habe versuche ich sie so zu legen das sie mir keinen Streß bereiten. In den meisten Fällen funktioniert das ausgezeichnet und die wenigen Ausnahmen sind auch in Ordnung.

Es ist wirklich faszinierend wie oft wir uns von außen beeinflussen lassen ohne das wir es überhaupt bemerken oder scheinbar gegebene Tatsachen hinterfragen.

Mir geht’s super gut mit dieser Regelung und wie immer, wenn es mir gut tut strahle ich das auch auf mein Umfeld ab.
Es macht also durchaus manchmal Sinn die eigenen Bedürfnisse an die erste Stelle zu reihen.

Mittwoch, 4. April 2018

MUnTerMACHERIN-Gespräch: Hofkollektiv Wieserhoisl


Als ich meine Suche nach spannenden Personen für meine Interviews begann, gab ich in google einfach das Wort „Aussteiger“ ein. Einer der ersten Einträge war ein Artikel von einem steierischen Bezirksblatt über das Hofkollektiv Wiesenhoisl.

Mit dem Leben in einem Kollektiv, hatte ich mich bis dahin überhaupt noch nicht beschäftig. 
Ich selbst war sechs Jahre lang im Internat, jeweils mit vier Mädels im Zimmer und dann als Cocktail Waitress auf einem Kreuzfahrtschiff, ebenfalls mit zwei bis vier Personen in sehr kleinen Kabinen. Mein Bedarf an engen Zusammenleben mit anderen Menschen war dann mal gedeckt. Ich wollte nicht mal mehr in eine WG oder in ein Studentenheim als ich nach meiner Rückkehr vom Schiff nach   Wien zog.

 

Umso interessierter war ich am Leben in einem Kollektiv und fragte ob einige der Bewohner Lust und Zeit für ein Interview mit mir hätten. Auf der Homepage vom Hofkollektiv stand unter „Interviewanfragen“ : „Nimm dir Zeit und bring auch gerne einen Kuchen mit.“ Das fand ich sehr sympathisch. Mit Beidem machte ich mich auf den Weg. 

Als ich nach Deutschlandberg fuhr, kam der Winter zurück. Es lag viel Schnee und als Burgenländerin bin ich keine geübte Schneefahrerin und schon gar nicht auf hügeligen,glatten, schmalen Straßen. Also ließ ich mein Auto ein paar 100 Meter vor dem Hof stehen und stapfte mit meinem mitgebrachten Kuchen die letzten Meter zum Wieserhoisl. 



Leider habe ich durch das Wetter die Schönheit des Ortes nicht in seiner vollen Pracht erfassen können. Im Gespräch kam das Thema sehr häufig vor und alle drei Interviewpartner betonten immer wieder wie herrlich es sei, an diesem wunderschönen Platz zu leben. Die Natur, die Sonnenuntergänge, die Wiesen,….Aber auch bei Schnee und Kälte konnte ich erahnen wie schön das alles im Frühling oder Sommer aussehen wird. 

Nahe beim Haupthaus, stehen zwei ehemalige Zirkuswägen und zwei umgebaute Bauwägen, die als zusätzlicher Raum dienen, denn eigentliche Wohnhaus bietet nicht genug Zimmer für alle Bewohner. Wie es auf einem Hof so ist, gibt es noch einige Projekte wie z.B. der Ausbau des Stalls und des GästInnen-Hauses auch um mehr Platz auch für BesucherInnen zu schaffen.

Der erste Raum den man betritt, wenn man das Haus geht, ist eine große und ur gemütliche Küche mit einem großen Esstisch. Genauso hatte ich mir das vorgestellt und zu meiner großen Freude war auch gerade ein schulfreier Tag sodass alle 4 Kinder und auch fast alle Erwachsenen im Haus waren. Sehr wusselig und total nett, so wie ich mir ein kollektives Leben vorgestellt hatte ;o) (Natürlich ist mir klar das das nur eine Momentaufnahme und nur ein winziger Teil des Lebens ist…)

Mehr über das restliche Leben erfahrt ihr im Gespräch mit Tina, die seit Beginn an dabei ist, Lie, die das Kollektiv schon seit 5 Jahren kennt und seit ca. 1,5 Jahren ein fixes Zimmer im Wieserhoisl hat und Fritzi, der mit seiner Frau und 2 Kindern seit 2010 im Hofkollektiv lebt.

Ich wünsch Euch viel Freude beim Anhören der Gespräche und villeicht auch einige neue Ideen.

Zum MUnTerMACHER-Gespräch - Hofkollektiv Wieserhoisl

Anhören über Soundcloud, iTunes oder Youtube
Auf meiner Homepage findet ihr alle bisherigen Gespräche
 

Freitag, 30. März 2018

Krampfig nach Lösungen suchen...

Andi und ich waren in der ersten Hälfte der Osterwoche für 3 Nächte und 4 Tage auf Urlaub. Es war der erste gemeinsame Urlaub seit 7 Jahren für uns, also seit wir Hof Sonnenweide haben. Als wir den Hof kauften und immer mehr Tiere zu uns kamen, war uns vollkommen bewusst das Urlaub in der nächsten Zeit nicht möglich sein würde. Wir hatten beide damit überhaupt kein Problem, ich schon gar nicht weil ich in den ersten Jahren mein Projekte  „Hof-Sonnenweide“ aufgebaut haben.  Zuerst die Jausenstation, dann die vegane Jausenstation, dann Schule und Kindergarten am Bauernhof, die Kindergeburtstage, Familienführungen, Hoffeste und Ausflugstage für soziale Organisationen und im letzten Jahr dann die MUnTerMACHERIN…. Ich liebe es Dinge aufzubauen und somit ging mir ein Urlaub überhaupt nicht ab.
Außerdem war mir immer klar, wenn das Bedürfnis nach Urlaub wieder da ist, wird sich eine Lösung ergeben. Davon war ich ganz fest überzeugt.



Tja, und es hat sich was ergeben und wie immer, im Nachhinein betrachtet ist es richtig unheimlich, wie sich die Dinge gefügt haben und zwar schon lange bevor mir überhaupt bewusst war, dass ich ganz gerne mal wieder ein paar Tage alleine mit meinem Mann verbringen möchte.

Schritt 1: Julia, die beste Mitarbeiterin auf der Welt die mir seit April 2017 2 Mal pro Woche am Hof hilft und einfach großartig mit den Tieren umgeht.

Schritt 2: Der Kauf meines Gogo-Mobils, ursprünglich als Übernachtungsmöglichkeit für Coachees am Hof gedacht. „

Schritt 3: Beginn mit „MUnTerMACHERIN unterwegs“, dabei hab ich festgestellt wie gut mir so ein Perspektivenwechsel tut und sei es auch nur für ein paar Stunden.

Vor 2 Wochen saßen Andi und ich am Abend, bei einem Gläschen Wein auf der Couch mit dem Gedanken: „Mei wäre das schön wieder mal ein paar Tage nach Rovinj zu fahren“. Das haben wir nämlich vor Hof-Sonnenweide traditionell zu Ostern immer gemacht. Und plötzlich war sie da, die Lösung, ganz simpel. Ich hab Julia angeschrieben und sie gefragt ob sie für 3 Tage am Hof wohnen würde um die Tiere zu betreuen. Gespannt wie die Pfitschipfeile warteten wir auf die Antwort im Messenger und Tattaaa – sie war einverstanden.

Und so sind wir am Mittwoch Nachmittag zurückgekommen, und es waren herrliche Tage. Für Andi und mich war es auch eine Pemiere weil wir noch nie zusammen gecampt haben. Normalerweise bin ich ja immer alleine und meist nur für eine Nacht. Es war genauso wie aus einem kitschigen Fotoroman. Wir haben an den schönsten Plätzen übernachtet, gefrühstückt und zu Abend gegessen. Da noch keine Saison ist, hat es niemanden gekümmert wo wir das Auto abgestellt haben

Als ich wieder zu Hause war, überfiel mich aber wieder eine ungute Unruhe.

Seit dem letzten Workshop, Mitte März möchte ich etwas an dem Konzept ändern und außerdem gibt es noch so ein paar Idee die mir im Kopf herumgeistern… Mein Plan war, so wie immer, erkenne den Fehler, finde eine Lösung, setze sie um… Sogar das Datum für die Umsetzung hatte ich schon festgesetzt.

Diesmal klappt das aber nicht so wie ich mir das vorstelle. Ich habe zwar total viele Ideen, aber irgendwie fühlt es sich noch nicht so ganz richtig und stimmig an. Es ist da irgendwie das Gefühl, dass da noch mehr auf mich wartet, noch bessere Möglichkeiten die ich jetzt aus irgendeinem Grund noch nicht sehen kann. Ich will aber..., das muss doch..., jetzt sofort...,...

Leicht ist es nicht das auszuhalten. Mein Plan war eigentlich mit den neuen Ideen und Möglichkeiten vor der Osterwoche noch nach Außen zu gehen - hat nicht geklappt. Dann hab ich meine Hoffnungen auf den Urlaub gesetzt und mir gedacht, dass ich da ja Zeit haben werde zum Nachdenken - hat nicht geklappt.

Und heute hab ich mir dann einfach gedacht, wenn das mit einer Lösung für den gemeinsamen Urlaub so gut und einfach so funktioniert hat, dann könnte es doch sein, das ich mich auch im Bezug auf meine Workshops von neuen Möglichkeiten und Lösungen finden lassen kann.

Und das mach ich jetzt. Nicht mehr suchen sondern mich finden lassen. Ich habe vollstes Vertrauen, das das der richtige Weg ist. Hat ja schon so oft funktioniert. Und immer wenn ich beginne meine Gehirnwindungen zu verknoten und dabei zu verzweifeln mache ich mir das bewusst und denke daran wie wunderbar der Urlaub war und wie mühelos sich genau zum richtigen Zeitpunkt alles ergeben hat.